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Zakynthos – Der erste Eindruck

Manchmal muss man dem Leben ein wenig Zeit geben

Ohne Umschweife kann ich sagen, dass meine Ankunft auf Zakynthos ein wenig holprig verlaufen ist – und das war nicht nur den Schlaglöchern geschuldet. Es war verabredet, dass ich meine neuen Arbeitgeber in der Buca Bar treffe. Ich dachte mir, um 23 Uhr am Abend chillen sie vermutlich bei einem Getränk am Strand. Laut Google Maps liegt Paddle Surf Zante direkt um die Ecke der Buca Bar. Da macht es Sinn, dass man nach dem Feierabend bei den Nachbarn einkehrt. Erwartungen zu haben und sich Geschichten im Kopf auszumalen ist nicht immer hilfreich.

Es stellte sich nämlich heraus, dass Lucia und Costa die Buca Bar besitzen und dort rund um die Uhr arbeiten. Die Paddelstation besteht aus ein paar SUP-Boards, die sie morgens an den Strand tragen. Eigentlich haben sie pro Saison zwei SUP-Lehrer vor Ort, die für alles verantwortlich sind. In dieser Saison hat jedoch eine Person kurzfristig abgesagt, so dass ich für den Betrieb des SUP-Geschäfts allein verantwortlich sein sollte. Das alles habe ich jedoch nicht von meinen Arbeitgebern erfahren, sondern von meiner Mitbewohnerin Emma. Sie arbeitet als Kellnerin in der Buca Bar und es war vorgesehen, dass wir uns ein Ein-Zimmer-Apartment teilen. Das war alles etwas viel für die ersten Stunden und so habe ich mich ins Bett verkrochen und an einem Schlachtplan gearbeitet. Am nächsten Tag habe ich das Gespräch mit Lucia gesucht. Ich habe ihr meine Vorstellungen von unserer Zusammenarbeit dargelegt, sie mir ihre und wir haben uns aus meiner Sicht recht gut verständigt. Sie versprach, sich nach einem eigenen Raum für mich umzuschauen und ich war bereit, mich dem SUP-Betrieb alleine zu stellen.

Nach einem weiteren freien Tag zur Erkundung der Insel ging es dann zur Feiertaufe. Ich „teile“ mir den Strand mit Kev, einem ca. 60-jährigen Briten, der für die Sonnenliegen verantwortlich ist. Er ist seit 15 Jahren auf der Insel, kennt jeden Menschen, ist ein Orakel in Bezug auf das Wetter und das Meer und er hat in den letzten Wochen die Vermietung der Paddelboards nebenbei organisiert. Er hat mich unter seine Fittiche genommen, mir viel erklärt und hat mir blitzschnell meine ersten Kunden organisiert. Für den nächsten Tag standen bereits zwei Einzelstunden in meinem Terminkalender.

Mein neues „Büro“

Natürlich war ich sehr aufgeregt, aber die Stunden sind relativ gut verlaufen. Mit jeder Stunde werde ich etwas ruhiger und mittlerweile habe ich ca. 10 Stunden unterrichtet. Häufig sind es Einzelstunden, machmal habe ich aber auch 2 oder 3 Schüler in einer Gruppe. Mein bisheriges Highlight waren zwei 71-jährige Damen, die im letzten Jahr Paragliden waren – ein bißchen auf dem Meer paddeln war da für die beiden natürlich ein Klacks!

Nach einigen Tagen gab es an der Wohnfront Besserung. Unser Nachbar ist kurzfristig ausgezogen und so konnte ich sein Studio übernehmen. Ebenso wie das Studio, das ich mir mit Emma geteilt hatte, verfügt es nur über eine Minimalausstattung und alles ist in einem eher schlechten Zustand (so darf man zum Beispiel die linke Schranktür nicht öffnen, weil sie einem sonst entgegenfällt). Aber es ist mein eigener Rückzugsort und nach einigen Besuchen im lokalen Baumarkt füllt es sich nun auch wie mein Zuhause an.

Blick von meinem Balkon

Nach drei Wochen hab ich nun langsam eine Routine entwickelt. Ich bin morgens als eine der ersten am Strand, hole meine Boards aus dem Schuppen, während Kev die Sonnenliegen mit Kissen versorgt. Ab 9:30 Uhr trudeln dann die ersten Gäste ein, die mir über den Tag hinweg die Zeit vertreiben und mich mit Tipps für Restaurants oder Ausflüge in die Umgebung versorgen. Zwischendurch verleihe ich Boards, gebe Einweisungen in die richtige Paddeltechnik und gegen 18 Uhr werden die Board erst gewaschen und gehen dann zurück in ihren Schuppen.

Meine freien Tage werden vom Wetter bestimmt. Zwar scheint die Sonne jeden Tag. Je nachdem, aus welcher Richtung der Wind kommt, bilden sich an unserem Strand jedoch kleine Wellen, was für SUP-Anfänger keine guten Bedingungen sind. Bisher habe ich diese Auszeiten überwiegend mit der griechischen Bürokratie verbracht. Denn obwohl die Europäische Union uns Reise- und Arbeitsfreiheit gewährt, hat Zakynthos einen anderen Blick auf die Dinge. So habe ich nach mehreren Anläufen nun nicht nur eine Steuernummer, sondern die Polizei hat mich auch offiziell mit einer Arbeitsgenehmigung ausgestattet.

Meine nächsten freien Tage kann ich nun also tatsächlich nutzen, um etwas mehr von der Insel zu erkunden.

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