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Königin für eine Nacht

Von Jaipur nach Udaipur

Von Jaipur ging es mit klapprigen Jeeps in ein kleines Dorf namens Tordi Sagar. Bevor es ihn in die große Stadt zog, hatte der König hier seine Residenz und hat diese freundlicherweise in ein Gästehaus umgewandelt. Über Schotter und Sand ging es vorbei an kleinen Lehmhütten, die nach jedem Monsun wieder neu verspachtelt werden müssen. Wie aus dem Nichts stand plötzlich der leicht verwitterte Königspalast vor uns, der für eine Nacht unser Zuhause sein sollte. Zur Begrüßung wurden wir mit einem traditionellen Bindi versehen hat, dem roten Punkt auf der Stirn, der Gäste im Haus willkommen heißen und segnen soll. Anstelle des sonst so üblichen Chai-Tees folgte dann jedoch ein Gläschen Cola, was für sehr erstaunte Blicke unter den Reisenden gesorgt hat und den ständig präsenten Kulturclash perfekt widerspiegelt. Der Spaziergang durch den Ort produzierte Kinder aus jeder Himmelsrichtung, die uns begeistert ihre Schule gezeigt und ihre Englischkenntnisse an uns ausprobiert haben. Ebenso stolz wurden wir über die Felder geführt, die für unser Abendessen verantwortlich waren, welches wir auf der Terrasse des Palastes eingenommen haben. Dazu gab es Geschichten von unserem Reiseleiter Hersh, der sich an Missgeschicke vergangener Reisegruppen erinnerte bis wir Tränen gelacht haben.

Königspalast in Tordi Sagar

Neuer Tag, neuer Ort, neues Hotel. Pushkar empfing uns mit Regen und Eiseskälte, so dass ich mich beim Mittagessen tatsächlich gezwungen sah, einen heißen Tee und einen heißen Kakao zu trinken! Wo genau ist eigentlich dieser Indian Summer, wenn man ihn mal braucht? Den einzigen Pullover in meinem Gepäck trage ich seit mittlerweile sieben Tagen und so langsam habe ich mich an ihm satt gesehen. Doch Besserung war in Sicht. Nachdem ein Sturm die ganze Nacht gewütet und immer wieder für Stromausfälle gesorgt hat, brachte der nächste Tag endlich die ersehnte Wärme. Wir hatten einen freien Vormittag und durften auf eigene Faust den Ort erkunden. Für Franzi und mich hieß das erste einmal: Ausschlafen!
Gefolgt von einem ausgiebigen Frühstück und einem Bummel über den Markt. Dann ein bißchen Sonne tanken im Garten des Hotels und sich von den Trommeln der im Hotel stattfinden Hochzeit unterhalten lassen. Herrlich. Doch das wahre Abenteuer des Tages steht noch aus.

Raj, mein treues Kamel

Zum Abendessen ging es in die Wüste. Da der Weg weit und sandig ist, stiegen wir vom Jeep auf Kamele um, was sich als wackelige Angelegenheit herausstellte. Raj zeigte sich aber als gutmütiges Kamel und brachte mich sicher ans Ziel. Bilder hiervon werden streng unter Verschluss gehalten! Kaum angekommen, ging es auch schon mit der Abendunterhaltung los. Ein Zauberer schenkte uns magische Momente (und diverse Tauben) und für Musik und Tanz war ebenfalls gesorgt. Leider hat sich dabei gezeigt, dass wir für Bauchtanz nicht gemacht sind; dafür konnten wir die Darbietungen der unterschiedlichen Tänzer umso mehr bewundern. Nach einem bezaubernden Sonnenuntergang gab es ein phantastisches Abendessen und als Überraschung noch ein kleines Feuerwerk nur für uns. Eine sehr beseelte Reisegruppe kehrte wenig später in das Hotel zurück.

Der lokale Zug brachte uns am nächsten Tag nach Udaipur, wo wir ganze drei Nächste verbringen. In der Übersetzung heißt das: Wir können den Rucksack auspacken, uns häuslich einrichten und Wäsche waschen. Alles Musik in meinen Ohren. Udaipur wurde uns angekündigt als das „Venedig des Ostens“, was ich dann doch infrage stellen möchte. Schön ist es aber, mit vielen verwinkelten Gassen und mehreren Seen. Und als Willkommensgruß gab es dann auch erst einmal wieder einen herrlichen Sonnenuntergang, den wir dieses Mal nicht in der Wüste sondern auf dem Wasser verbringen.
Auf dem Abendprogramm stand der Besuch einer Künstlerkommune, die uns Malen auf Seide näher bringen möchte. Viel faszinierter waren wir aber von den kleine Kunstwerken, die wir zum Abschied auf unsere Fingernägel gemalt bekamen. Immer wieder musste ich voller Staunen auf den Elefanten schauen, der sich auf meinem Ringfinger breit gemacht hat. Die gestreifte Decke hat sogar weiße Quasten an den Ecken – einfach bezaubernd!

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